Sammlung Schneider

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Entdeckte Moderne – Die Kunstsammlung

Die meisten Kunstwerke der Bürgerstiftung stammen aus der Sammlung von Dr. Gerhard Schneider. Übergreifendes Thema des Sammlungsbestandes sind die Kunstentwicklungen Deutschlands in den Jahren von 1910 bis 1933 und, durch die Ereignisse der NS – Zeit eingeschränkt, aber von enormer Aussagekraft, von 1933 bis etwa 1945. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist, vor allem für das Gebiet der DDR, bis in die 1980er Jahre hinein mit einer Reihe repräsentativer Beispiele vertreten.

 

Ein besonderes Interesse des Sammlers gilt den Biografien der Künstler in der für sie sehr schwierigen Zeit. Die Dauerausstellung kann in einzigartiger Weise vor Augen führen, wie groß das Gestaltungspotential war und welcher Variantenreichtum den deutschen Kunstraum in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts prägte. Hier entdeckt man Künstler wieder, an die man sich in Deutschland lange Zeit kaum noch erinnert hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die jüngere Generation der Moderne überwiegend in Vergessenheit geraten. Deshalb vernachlässigte sie die Kunstgeschichtsschreibung bis in die achtziger Jahre hinein. Die in Solingen präsentierte Sammlung von Dr. Schneider ist in ihrer Stringenz und Kompetenz einzigartig und findet international Beachtung.

 

Die bis heute von dem Sammler zusammengetragenen etwa 3000 Werke sind „künstlerische Bilddokumente zum Zeitgeschehen des 20. Jahrhunderts“. Diese spiegeln paradigmatisch ihre Zeit: vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges über die nachfolgende Revolution, die gesellschaftlichen Spannungen der 1920er und frühen 1930er Jahre über die Zeit des Naziregimes mit einem eigenen Schwerpunkt der Erlebnisse verfolgter Künstler, und den Gräueln des Zweiten Weltkrieges bis hin zu den Folgen der Teilung Deutschlands und der Situation der Kunst in der DDR.

 

Die ab 1999 zur Sammlung erschienenen drei Grundlagenwerke stellen eine Fülle bislang verschollener Kunstwerke vor. Jacques Schuster von der „Welt“ räumte bereits dem ersten Band „Verfemt – Vergessen – Wiederentdeckt“ den „Charakter eines Nachschlagewerkes“ ein. Wie stark aber das Desiderat nach Kenntnisnahme dieser „verlorenen“ Schätze ist und wie stark der Wunsch nach einer Neubewertung und Aufarbeitung der künstlerischen Leistungen der „verschollenen Generation“ die Öffentlichkeit anspricht, bewies die Resonanz auf die bisherigen Ausstellungen. Der Literaturwissenschaftler Prof. John M. Spalek, Albany, USA, war unter den Besuchern. Auf einem New Yorker Symposion zur deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts berichtete er anschließend von seine Eindrücken und würdigte den ersten Katalog als „bislang umfassendsten eigenständigen Beitrag deutscher Kunstgeschichtsschreibung zur Thematik der vom Nationalsozialismus unterdrückten Künstler der jüngeren Generation der klassischen Moderne“.

 

Dr. Christina Weiss, ehemalige Staatsministerin für Kultur und Medien, charakterisierte die Sammlung in einem Brief an das Kunstmuseum Solingen als „kulturpolitisch unbestritten wertvoll“. Gutachten der Direktion der Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle, des Landesmuseumsdirektors a.D. Prof. Dr. Heinz Spielmann und von Dr. Fritz Jacobi, ehemals Neue Nationalgalerie Berlin, weisen aus, das es in keiner Institution eine Sammlung gibt, die im Hinblick auf den Facettenreichtum verfemter deutscher Kunst mit den Beständen der Sammlung Gerhard Schneider vergleichbar ist. Eine Sammlung, die zu Unrecht vergessene deutsche Kunst-Geschichte aufarbeitet und dabei zugleich in ihrem Appellcharakter „wider das Vergessen“ unwiederbringlich ist.