Vom Dunkel der Diktatur ins Licht der Freiheit

Vom Dunkel der Diktatur ins Licht der Freiheit

Dem Solinger Maler Ernst Walsken zum 25. Todestag

„Lernt ohne Gewalt die Freiheit zu erhalten. Wartet nicht bis es zu spät ist und die Gewalt alles wieder fortnimmt. Die Demokratie, die soziale Gerechtigkeit, die Freiheit der Kunst und des Wortes in Sprache und Schrift.“ Ernst Walsken, 1984

 

Vor 25 Jahren, im April 1993, ist der Solinger Maler Ernst Walsken 88jährig gestorben. Das Zentrum für verfolgte Künste und das Kunstmuseum Solingen widmen ihm anlässlich seines Todestages eine Ausstellung, die seinen Lebensbogen mit dem Titel „Vom Dunkel der Diktatur ins Licht der Freiheit“ nachzeichnet. Denn das Wirken Ernst Walskens als Maler ist nicht zu trennen vom politisch denkenden und handelnden Menschen, sein künstlerisches Schaffen immer mit den politischen Entwicklungen verbunden. Ein leiser Kämpfer, der sich gewaltlos, aber unbeugsam und bestimmt gegen Unterdrückung und Unrecht stellt.

Schon früh begeistert sich der 1909 geborene Sohn eines Messerreiders für die Kunst. Anfang der 1930er Jahre entstehen erste Arbeiten in Auseinandersetzung mit Kubismus und Bauhaus. Politisch wendet er sich in dieser Zeit der sozialistischen Linken zu. Auf Anregung seines Freundes und Paul Klee-Meisterschülers Johann August Preusse beginnt er 1932 ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Aber bereits 1934 wird Ernst Walsken politischen Repressionen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt und der Akademie verwiesen. Er arbeitet wieder im erlernten Malerhandwerk, doch statt zu resignieren engagiert er sich umso mehr im antifaschistischen Widerstand. 1935 wird er verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.

1937 bringt man ihn ins Strafgefangenenlager Esterwegen, noch im selben Jahr ins Lager Aschendorfermoor. Selbst als Moorsoldat lässt er sich, trotz aller Verbote und Gefahren, die Freiheit künstlerischer Betätigung nicht nehmen. Seine Lagerzeichnungen werden zu Zeugnissen der dortigen Verhältnisse und der unzerstörbaren Würde des Menschen.

Nach dem Ende seiner Haft wird er 1942 in das „Bewährungsbataillon 999“ eingezogen, in  Nordafrika gerät er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Prisoner of War Camp Fort Devens kann Ernst Walsken endlich wieder in einem Atelier arbeiten sogar an der Lagerschule unterrichten. Seine Werke entstehen jetzt mit Erlaubnis und werden gefördert.

Im November 1945 kann er nach Solingen zurückkehren. Trümmerbilder seiner Heimatstadt sind die ersten künstlerischen Dokumente dieser Heimkehr. Gleichzeitig ist er schon Ende 1945 Mitbegründer der „Gemeinschaft Bildender Künstler Solingen“, dann lange Jahre ihr Vorsitzender. 1946 ruft er als Signal der neuen Freiheit mit Künstlerfreunden die Bergische Kunstausstellung ins Leben – sie findet heute, 2018, im September zum 72. Mal statt.

In Ernst Walskens Werk gewinnen im Laufe der Nachkriegsjahre leuchtende Farben an Bedeutung und Kraft. Sie spiegeln die Freiheit, die ihm trotz Verfolgung, Entbehrung und Lagerhaft das größte Ideal blieb.

Kuratoren Rolf Jessewitsch und Ernst Martin Walsken