Tatiana Feldman performt ‘Die Ambivalenz des Seins’

Tatiana Feldman performt ‘Die Ambivalenz des Seins’

Ein erster Satz. Während der Ausbildung habe ich die Epik nicht nur schätzen, nein ich habe sie lieben gelernt. Also ein erster epischer Satz. Dann der zweite. Der dritte. Der erste Absatz.

Ich nehme Abstand, einen Schluck vom Kaffee der mittlerweile kalt ist. Das verfolgt mich am meisten durch meinen Morgen. Der kalte Kaffee. Sinnbildlich für all das Zeug, das ich anfange, aber nicht zu ende bringe, weil mir ständig etwas in die Quere kommt, weil ich mir ständig in die Quere komme. Vielleicht halte ich nun auch so sehr daran fest.

Ich nehme Abstand, trinke einen Schluck des kalten Instantkaffees und lese meine gefühlte Genialität.

Genial … genial beschissen. Wer glaubt denn den scheiß. Wollte ich nicht authentisch sein? Nicht zeigen wie das wirklich ist mit der Isolation?

Tatiana Feldman | Foto: Christian Beier.

Tatiana Feldman, geboren 1990 in St. Petersburg, Russland, 1997 wanderte sie mit ihrer Familie nach Deutschland aus.

Schon früh konzentrierte sie sich auf die Entfaltung in den künstlerischen Bereichen der Malerei, Tanz und Schauspiel. Sie forschte in den verschiedensten Tanzstilen in der Verbindung zum schauspielerischen Ausdruck und konnte am ende diese Erfahrungen in der bildenden Kunst als emotionalen und technischen Anker nutzen. 2019 schloss sie ihre Schauspielausbildung an der Theaterakademie Köln ab und arbeitet seitdem als Schauspielerin, Tänzerin und Choreografin und Künstlerin verschiedenen freien Produktionen sowie am Stadttheater.

In Reaktion auf die Ausschreibung zu Aus der Isolation beschäftigte sie sich mit den Facetten der eigenen Empfindung in einem begrenzten Raum. Dabei ist es ihr wichtig, „klar zu machen, dass obwohl gerade die sozialen Medien uns nach außen das Gefühl vermitteln, wir sollten die Situation durchweg in ihren positiven Eigenschaften betrachten, es mehr als nur ok ist, nicht damit ok zu sein“.

Tatiana Feldman | Foto: Christian Beier.

Ich bleibe doch zuhause, ich bin doch sozial….aber warum darf es mich nicht trotzdem wütend machen, traurig, ausgelaugt oder nicht gesehen?

In der Ausstellung waren bislang Tatiana Feldmans Bewerbungsvideo im Rohschnitt und ihre bildkünstlerischen Arbeiten in Acryl und Mischtechnik, Collagen und Pastiches zu sehen. Nach einer Performance im Museum verändert sich nun – post (Selbst-)Isolation – ihr Beitrag zur Ausstellung. Es sind nunmehr Projektionen ihrer Live-Performance in unserem Museum zu sehen – und zwar weiterhin an den Wänden des ‘Doms’ der das obere Geschoss der Wechselausstellungsfläche mit dem Unteren verbindet, und auch auf dessen Bodenfläche. Besucher*innen erleben Enge und Begrenzung des Raumes nun gleichsam mit den Bewegungen, dem Erstarren, dem Verharren und dem wieder und wieder daraus Ausbrechen Tatiana Feldmans.

Hier ein Einblick:

Tatiana Feldmann im Zentrum für verfolgte Künste

132045 … Minuten und ich sitze da. Ich sitze da und versuche anzufangen. Ich versuche weiter zu denken.
Was sein wird und was um mich rum passiert.

Und ich fange an. Zu verstehen. Ich verstehe, dass es nicht schlimm ist. Dass ich da sitze in all meiner Stille.

Anfange in all meiner Stille.
Erschaffe in all meiner Stille.
Mich winde in all meiner Stille.
Still bin in all meiner Stille.

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