Roger Loewig: Freiheit, Selbstbestimmung, Menschenrechte

Roger Loewig: Freiheit, Selbstbestimmung, Menschenrechte

Mit der Ausstellung “Noch tönt Gesang unter der zerbrochenen Brücke”, so auch der Titel eines Ölgemäldes von Roger Loewig, zeigt das Zentrum für verfolgte Künste ab Oktober einen Beitrag zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit. Roger Loewig – Maler, Zeichner und Dichter – wurde 1930 in Striegau geboren (heute das polnische Strzegom). Nach der Flucht 1945 kamen seine Mutter und er über Umwege in die Oberlausitz. Anfang der 1950er Jahre ging Loewig nach Ost-Berlin und wurde Lehrer für Russisch und Deutsch. Erste Bilder entstanden, auch mit kritischem Blick auf die DDR.
Er unterwarf sich nicht den Maßgaben des Sozialistischen Realismus. 1963, zwei Jahre nach dem Mauerbau, wurde Loewig wegen „staatsgefährdender Hetze“ verhaftet, wenige Monate nach einer von Martin Damus privat organisierten Ausstellung in dessen elterlichem Pfarrhaus. Sämtliche Bilder und literarischen Texte wurden beschlagnahmt. Vermittelt durch die Evangelische Kirche gehörte Loewig zu den Personen der ersten Freikaufaktionen der Bundesrepublik: nach fast einem Jahr in MfS-Untersuchungshaft wurde er auf drei Jahre Bewährung in die DDR entlassen. Seinen Lehrerberuf durfte er nicht mehr ausüben. 1965 wurde er dennoch mit Hilfe einiger Bürgen als „Kandidat“ in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen. Ausstellungen seiner Werke fanden allerdings nur – dank der Hilfe von Freunden – im Ausland sowie in der Bundesrepublik statt. Seinem 1967 gestellten Ausreiseantrag wurde 1972 schließlich stattgegeben. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Crescentia Troike reiste er in die Bundesrepublik aus und lebte mit ihr in West-Berlin. Ein Jahr später war er Gast der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Es folgten zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sowie Veröffentlichungen seiner literarischen Texte. Roger Loewig gehörte wie Günter Bruno Fuchs, Günter Grass, Christoph Meckel, Oskar Pastior u.a. dem losen Kreis der „Berliner Malerpoeten“ an.
Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau lud Loewig Anfang der 1990er Jahre als ersten deutschen Künstler zu einer Einzelausstellung ein. Kampf um Freiheit, Selbstbestimmung des Individuums, Bewahrung der Menschenrechte – das waren die Hauptthemen seine konkreten und abstrakten Werke. Seine Bilder von Unterdrückung, Krieg, Gewalt, Vertreibung machen ihn zu einem der wichtigsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Er starb kurz nach der Ehrung, am 4. November 1997, an einem Herzleiden.

Roger Loewig (1930-1997): Noch tönt Gesang unter der zerbrochenen Brücke

Eine Ausstellung zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit, 1. Oktober 2020 bis 7. Februar 2021
Kuratorin: Anna Schädlich
Realisiert in Kooperation mit der Roger Loewig Gesellschaft e.V. und durch Unterstützung der
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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