Heba Y. Amin

Heba Y. Amin

Einzelausstellung der ägyptischen Künstlerin

Kolonialismus, staatliche Kontrolle und Machtausübung durch Technik, sowie korrupte Systeme, zerstörte gesellschaftliche
Strukturen und Landschaften sind zwei Seiten derselben Medaille – das sind die Themen, die Heba Y. Amin bewegen. In
der Ausstellung Fruit from Saturn schlägt sie den Bogen von der Kolonialzeit, der Präsenz des deutschen Afrikakorps im
nördlichen Ägypten bis zur Demokratiebewegung in Ägypten in den 2010er Jahren.

Der Ausstellungstitel Fruit from Saturn zitiert den gleichnamigen, 1946 erschienenen Gedichtband des deutsch-französischen Lyrikers Yvan Goll. Auf sein Gedicht Atom Elegy, das den Abwurf der ersten Atombombe als Ende der
Verheißungen atomaren Fortschritts entlarvt, bezieht sich Heba Y. Amin.

In Überarbeitungen seines ursprünglichen Gedichts macht Goll seinen Erkenntnisprozess sichtbar. Sie sind Teil der Samm-
lung Jürgen Serke im Literaturfundus des Zentrums für verfolgte Künste, ein unveröffentlichtes Originalmanuskript wird im Rahmen der Ausstellung nun ebenfalls erstmals öffentlich ausgestellt.

Wie Goll beleuchtet Heba Y. Amin den Kern zerstörerischer Macht, gespeist aus Technik, Hegemoniestreben und dem Ziel
der Aneignung fremden Territoriums. Gleichzeitig dreht die Künstlerin den Spieß um: In einer Serie von Fotografien zeigt sie sich als Landvermesserin aus Afrika, die bei Nacht mit einem optischen Gerät deutsche Landschaften taxiert und kartiert.

Heba Y. Amin, 1980 in Kairo geboren, lebt heute in Berlin, zeigte ihre Werke unter anderem auf der 10. Berlin Biennale, der 15. Istanbul Biennale, in der Kunsthalle Bremen (Kunstpreis der Böttcherstrasse 2018), im MAXXI Rom, im FACT Liverpool, in der Kunsthalle Wien, dem Museum of Modern Art in Warschau, dem MOCAK Krakau, im Kunstverein Hamburg, auf der 9. Forum Expanded Exhibition der Berlin Berlinale oder der IV Moscow International Biennale for Young Art. In mehreren Sammlungen, etwa der des Britischen Museums London, sind ihre Arbeiten vertreten. Sie ist Mitbegründerin des Black Athena Collective, Kuratorin für Visuelle Kunst für das US-amerikanische Mizna-Journal und Co-Kuratorin des Residency-Programmes DEFAULT der Random Association (IT).

Das Zentrum für verfolgte Künste Solingen und andere Museen feiern das ganze Jahr 2019 den 150. Geburtstag der Künstlerin Else Lasker-Schüler, 1869 in Elberfeld geboren. Ihr Leben war ein Gesamtkunstwerk. Als Frau durchbrach sie alle gesellschaftlichen Konventionen, kreierte für sich alternative Persönlichkeiten, hatte großen Einfluss
auf die Kunstszene. 1933 wurde sie aus Deutschland vertrieben. Die Schweiz verweigerte ihr den Aufenthalt. Sie floh als Jüdin nach Palästina und lebte bis zu ihrem Tod am 22. Januar 1945 in Jerusalem.

In ihrem Werk und Schicksal verbinden sich Dichtung und bildende Kunst mit Vertreibung und Exil. In Kunst und Leben kämpfte sie konsequent für Freiheit und Gerechtigkeit. Das Zentrum für verfolgte Künste präsentiert die Ausstellung Fruit from Saturn als Beitrag zum Else Lasker-Schüler Jahr Meinwärts. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.