David Olère. Überlebender des Krematoriums III

David Olère. Überlebender des Krematoriums III

Deutscher Bundestag Berlin, Eröffnung am 29. Januar 2020

Eine Ausstellung des Deutschen Bundestages in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und dem Zentrum für verfolgte Künste Solingen unterstützt vom Rundfunk Berlin-Brandenburg zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz- Birkenau und anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Bild oben: © „Freiheit beginnt oben am Schornstein“ David Olère Collection of the Auschwitz-Birkenau State Museum in Oświęcim

David Olère war einer der wenigen Häftlinge des sogenannten Sonderkommandos, die den Krieg überlebten, und zugleich der einzige, der seine Erfahrungen in Gemälden und Zeichnungen festhielt.Während seines gesamten Aufenthalts im Lager Auschwitz-Birkenau gehörte er diesem Sonderkommando an, einer Gruppe von Häftlingen, die von der SS gezwungen wurden, die Leichen der in den Gaskammern Ermordeten zu verbrennen. Seine Sammlung von Illustrationen stellt eine der wenigen Bildquellen der damaligen Ereignisse dar, entstanden aus der Sicht eines Mannes, der durch die Hölle gegangen war und zum unmittelbaren Zeugen eines der bestgehüteten Geheimnisse des nationalsozialistischen Deutschlands wurde: des konkreten Ablaufs des Massenmords.

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde Olère am 20. Februar 1943 von der französischen Polizei verhaftet und im Durchgangslager Drancy interniert, von wo aus er am 2. März nach Auschwitz deportiert wurde. Dort wurde er mit der Häftlingsnummer 106144 registriert.

David Olère wurde am 19. Januar 1902 in Warschau geboren. Er studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste und zog 1921 nach Berlin, wo er als Maler, Bildhauer und Bühnenbildner für die Europäische Film-Allianz arbeitete.
In den 1930er Jahren lebte er in Paris und gehörte der École de Paris an. Olère arbeitete für verschiedene Filmstudios, darunter Paramount Pictures, Fox und Gaumont, für die er Filmkulissen, Kostüme und Werbeplakate entwarf. Verhaftet wurde Olère in seinem eigenen Haus. Seiner Frau Juliette und seinem elfjährigen Sohn Alexandre gelang es, aus Paris zu fliehen und in einem Versteck zu überleben.

Kurz nach Kriegsende fertigte David Olère eine Serie von 70 Zeichnungen an, die einige Jahre später zur Grundlage für seine verstörenden Ölgemälde werden sollte. Die frühesten Zeichnungen, die in den Jahren 1945 und 1946 entstanden, berühren durch ihre für die Lagerkunst typische Strenge und Authentizität. Die minutiöse Aufzeichnung der aufeinander folgenden Phasen der Vernichtung und der Szenen aus dem Leben von KZ-Häftlingen ist von außergewöhnlichem dokumentarischem Wert und stellt angesichts des Mangels zeitgenössischer Fotoaufnahmen einen unschätzbaren Bildfundus dar. Hierzu zählen Pläne von Krematorien und Gaskammern und Darstellungen der dramatischen Szenen, die sich in diesen Gebäuden abspielten. In der Zeit zwischen 1960 und 1980 übertrug der Künstler einige dieser Szenen, gefiltert durch seine emotionale Wahrnehmung, die traumatische Prägung, die er erlitten hatte, in das Medium der Malerei. Diese gigantischen, den Betrachter förmlich anschreienden Bilder sind geprägt von den erschütternden Erfahrungen des Künstlers.

Vor fünf Jahren, zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, initiierte Patrizia Schlesinger für das Erste Deutsche Fernsehen das trimediale Projekt „Auschwitz und ich“, 2020 setzt der Rundfunk Berlin-Brandenburg federführend für die ARD das Projekt „Auschwitz und ich“ fort und begleitet die Ausstellung mit Beiträgen und Inter- views zur Ausstellung und Erinnerung an den Völkermord auf der Internetseite www.auschwitzundich.ard.de.

Besichtigung

Die Ausstellung kann nach den Zutrittsbedingungen des Deutschen Bundestages nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.