Aus der Isolation

Aus der Isolation

Wir wissen nicht, was noch kommt, doch das, was wir bis jetzt erlebt haben, führt uns zu folgendem Entschluss: Das Zentrum für verfolgte Künste in Solingen wird in diesem Jahr nicht zu seinem regulären Programmplan zurückkehren. Die für Mai bis September geplante Ausstellung Écraser l’infâme! Zermalmt das Infame! wird auf das Frühjahr 2021 verschoben. Stattdessen laden wir Künstler*innen ein, über ihre Erfahrungen in der Isolation zu berichten – ausgestellt im Dialog mit den Werken unserer Sammlung.

In Zeiten wie diesen sind wir nicht nur mit einem Mal von unserer unmittelbaren Umwelt, von unserem alltäglichen Miteinander, von Kollektiverfahrungen im Wesentlichen abgeschnitten – vor allem freischaffende Künstler*innen leiden darunter, dass Veranstaltungen, Ausstellungen, Auftritte entfallen. Gagen bleiben aus und somit stellt die aktuelle Situation gleich auf mehreren Ebenen eine akute existenzielle Bedrohung für die Kunstschaffenden dar.

Das Zentrum für verfolgte Künste in Solingen kann jetzt zwar noch nicht abschätzen, wann und in welcher Form das Museum wieder für Publikum geöffnet wird, indes wissen wir, was wir tun wollen und wie wir es tun wollen: Um Künstler*innen des Bergischen Städtedreiecks (d. h. Kunstschaffende mit Wohnsitz in den Städten Remscheid, Solingen oder Wuppertal) in dieser schwierigen Situation bestmöglich unterstützen zu können, haben wir uns entschieden, in einer offenen Ausschreibung dazu einzuladen, die Zeit der Isolation, des Abgeschnittenseins, der womöglich erfahrenen Vereinsamung und existenziellen Sorge künstlerisch zu dokumentieren und zu verarbeiten. Frei gewordene Mittel möchten wir zur Beihilfe einsetzen und über Honorare als Preisgelder von im Moment geplanten 500 Euro den Künstler*innen die Möglichkeit anbieten, an diesem Projekt teilzuhaben und zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt bei Wiedereröffnung des Zentrums bei uns auszustellen, zu musizieren, zu performen oder zu lesen. So wird das Zentrum für verfolgte Künste zum offenen Dialograum. Eine Auktion einzelner Kunstwerke zur Unterstützung der beteiligten Künstler*innen kann darin ebenso realisiert werden, wie ein offener Erfahrungsaustausch, in dem Erlebnisberichte aller Teilnehmenden einen Ort finden.

Ein wesentliches Motiv der Kunstwerke unserer Sammlung sind Grenzerfahrungen, wie Emigration, Flucht, Vertreibung, Verlust der bürgerlichen Freiheitsrechte und Isolation – ohne das Damals mit dem Heute gleichsetzen zu wollen, möchten wir Parallelen individueller Erfahrungen und künstlerischer Zugänge dazu nutzen, Wege AUS DER ISOLATION in die Freiheit zu ebnen. Mit Blick auf das zum Heute zeigen wir die Vergangenheit und werden aus der Sammlung des Zentrums für verfolgte Künste unsererseits eine Präsentation mit Bildern, Fotografien und Büchern zusammenstellen. Wir können uns viel vorstellen und gemeinsam können wir auch viel verwirklichen, um so wieder AUS DER ISOLATION zurückzukehren.

Künstler*innen mit Wohnsitz im Bergischen Städtedreieck sind eingeladen, bis zum 30. April 2020 eine Projektskizze (von max. 2000 Zeichen) und bis zu 8 Bilder zu deren Illustration gesammelt in einer *.pdf-Datei bei uns einzureichen – bitte ausschließlich per E-Mail an isolation@verfolgte-kuenste.de.

Im Folgenden wird eine Jury aus Verantwortlichen des Museums und Künstler*innen eine Auswahl treffen und den Teilnehmer*innen schnellstmöglich Rückmeldung geben.

Ausnahmslos allen Beteiligten ermöglichen wir – nach Rücksprache – Darstellung und Sichtbarkeit über unsere digitalen Webpräsenzen.

Firmen der Region möchten wir ermuntern, sich über Spenden an diesem gemeinnützigen Projekt zu beteiligen, somit die künstlerische Vielfalt des Städte-dreiecks zu erhalten und uns die Gelegenheit zu geben, noch mehr Künstler*innen unterstützen zu können – kontaktieren auch Sie uns gern bis zum 30. April 2020 unter isolation@verfolgte-kuenste.de.

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