Aus der Isolation

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AB SOFORT BIS ZUM 13. SEPTEMBER 2020 IM ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE

Im März 2020 änderte das Corona-Virus plötzlich unsere Leben. Isolation und Vereinzelung trafen jede*n. Das kollektive Miteinander erodierte binnen weniger Stunden. Das Museum Zentrum für verfolgte Künste Solingen hat umgehend sein Programm umgestellt und Künstler*innen eingeladen, ihre individuellen Erfahrungen der Isolation schöpferisch zu verarbeiten. Sechs Positionen finden sich nun unter dem Titel AUS DER ISOLATION bei uns im Museum ausgestellt im Dialog mit Werken unserer Sammlung und ab Juni weitere Werke in einer ergänzenden Online-Präsentation.

Das wesentliche Motiv der Kunstwerke unserer Sammlung sind Grenzerfahrungen, wie Emigration, Flucht, Vertreibung, Verlust der bürgerlichen Freiheitsrechte und Isolation. Ohne das Damals mit dem Heute gleichsetzen zu wollen, möchten wir Parallelen künstlerischer Zugänge dazu nutzen, Wege AUS DER ISOLATION in die Freiheit zu zeigen und zu erörtern, mit welchen Strategien derlei Grenzerfahrungen verarbeitet werden können.

Plakat © Birte Fritsch, Zentrum für verfolgte Künste

Mit Blick auf das Gegenwärtige zeigen wir aus der Vergangenheit insbesondere Werke von Oscar Zügel, Carl Rabus und Felix Nussbaum.

Mit ihnen in Dialog treten Karikaturisten wie der iranische Exilant Kianoush oder der israelisch-französische Cartoonist Michel Kichka, dessen Vater, der 94-jährige Holocaust-Überlebende Henri, am 24. April 2020 in einem Brüsseler Altenheim an Covid-19 gestorben ist.

In der Literatursammlung zeigt Detlef Bach sein bildgewaltiges Corona Tagebuch. Tatiana Feldmans Videoinstallation gibt einen Vorgeschmack auf ihre kommende Performance und zeigt die Künstlerin im beengten Raum ihrer Wohnung zwischen ihren Gemälden – ebenfalls in der Ausstellung – mit der Isolation hadern. Fabian Nettes Fotografien nehmen Vereinzelung und Abgeschnittenheit in den Fokus. Peter Wischnewskis abstrakte Malerei zeigt im großen Format, wie viel Schaffenspotential in der Krise freigesetzt werden kann. Birgit Pardun, deren Malerei normalerweise ebenfalls großformatig Wände füllt, hat ihrerseits nun Puzzle damit gestaltet, die den Besucher*innen einen typischen Zeitvertreib der ungewollten Vereinzelung – und steten Wiederzusammenführung – aufzeigt. Das Duo schneider+mombaur (Güdny und Wolfram Schneider-Mombaur) realisiert mit Spiegelgasse als letztes fehlendes Puzzle-Teil eine Installation im Außenbereich.

Oscar Zügel – Marathonläufer 1934 © Bürgerstiftung für verfolgte Künste

Masken – seit jeher Artefakte in nahezu jeder Kulturtradition – verknüpft indes die Teilausstellung Maske und Maskerade. Zwischen Kunst und Quarantäne mit zeitgenössischen Maskeraden, wie den mannigfaltigen Reaktionen auf Hashtags wie #tussenkunstenquarantaine. Das Spiel aus Vermummung und Verwandlung, Verhüllung und Transformation zeigt sich in den hier ausgestellten Beispielen unserer Sammlung und auf unseren digitalen Kanälen, auf denen Besucher*innen Aufnahmen ihrer tableaux vivants unserer Exponate teilen.

Mit AUS DER ISOLATION kehrt das Museum Zentrum für verfolgte Künste zurück aus der digitalen Welt in analoge Kommunikationsräume: Besucher*innen können im Museum u.a. die Werke sehen, die wir in den letzten Wochen in unseren Podcasts vorgestellt haben und auch in Zukunft weiter wöchentlich auf diesem Wege präsentieren werden. Kehren wir so zurück in die Realität mit Mascha Kaléko, Lee Miller und anderen Künstler*innen.

Kuratiert von Birte Fritsch und Jürgen Kaumkötter.